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Übersetzung Gliederung
84VI. 
Haec est igitur via studii eorum, qui ad theosim tendunt, in modo- 
rum quorumcumque diversitate ad unum ipsum advertere. Quando 
enim quicumque studiosus subtiliter considerando attendit quomodo 
5ipsum unum omnium causa non potest non exprimi in omni expressi- 
one, sicut verbum non potest non eloqui in omni loquente, sive se 
dicat loqui sive se dicat non loqui, tunc sibi manifestum est virtutem 
ineffabilis omne dicibile ambire et nihil dici posse, in quo modo suo 
causa omnis dicentis et dicti non resplendeat. Nihil itaque reperiet 
10vere theologizans scholaris, quod ipsum perturbet in omni varietate 
coniecturarum. Nec minus apud ipsum hic dicit, qui ait nihil penitus 
esse, quam ille qui ait omnia esse quae videntur. Nec verius hic dicit, 
qui ait deum omnia esse, quam ille, qui ait ipsum nihil esse aut non 
esse, cum sciat deum super omnem affirmationem et negationem inef- 
15fabilem, quidquid quisque dicat, et hoc ipsum, quod quisque de ipso 
dicit, non aliud esse quam modum quendam, quo de ineffabili loquens 
loquitur, sicut hae duae species homo et asinus genus animalitatis 
vario modo exprimunt, humana etenim species rationaliter, asinina 
irrationaliter. Secundum expressionem humanae speciei tunc ratio- 
20nalitas convenire videtur animalitati, secundum expressionem asininae 
irrationalitas. Qui autem ad genus ipsum intuetur, quomodo est ita 
supra istas differentias exaltatum, et quod sibi eapropter nulla convenit 
differentiarum, advertit expressionem speciei esse modum quendam 
differentialem generis supra differentias exaltati. Ita quidem de asinina. 
25Unde contrariae illae expressiones contrariorum modorum differen- 
tialium non impediunt intuentem ad unum genus superexaltatum. 
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[V.]

[p.639] Das ist der Weg des Strebens jener, die nach der Theosis trachten:
sich in der Verschiedenheit aller möglichen Weisen zu dem
Einen selbst hinzuwenden. Sobald nämlich jeder, der nach ihm
strebt, genau nachdenkt und darauf achtet, daß dieses Eine, der
Grund von allem, in jedem Ausdruck unbedingt ausgedrückt
werden muß, so wie das Wort in jedem Sprechenden ausgedrückt
werden muß, ob er jetzt sagt, er rede oder ob er es
nicht sagt, dann ist ihm offenbar, daß die Kraft des Unsagbaren
alles Aussagbare umfaßt, und daß nichts gesagt werden kann,
in dem es nicht auf seine Weise als Grund jedes Sagenden und
Gesagten widerstrahlt.

Also wird ein wahrhaft mit der Theologie Beschäftigter in aller
Verschiedenheit der Mut-Maßungen nichts finden, das ihn verwirrt.
Für ihn sagt der, welcher meint, es gäbe überhaupt nichts,
nicht weniger als der, welcher meint, alles, was man sehe, sei;
und nicht wahrer spricht der, welcher sagt, Gott sei alles, als
der welcher sagt, er sei nichts oder nicht. Denn er weiß, daß
Gott über alle Bejahung und Verneinung hinaus unsagbar ist,
was immer jemand sagt und auch, daß das, was jeder von ihm
sagt, nichts anderes ist, als eine Weise, in der jemand über das
Unaussprechliche spricht; so wie die beiden Eigengestalten
Mensch und Esel die Gattung Lebewesen in verschiedener Weise
ausdrücken –, die menschliche verstandesmäßig, die des Esels
nicht-verstandesmäßig. Dem Ausdruck der menschlichen Eigengestalt
entsprechend scheint dem Lebendigsein die Verständigkeit
zuzukommen, gemäß der des Esels die Unverständigkeit.

Wer indes auf die Gattung als solche hinblickt und sieht, wie
sie über diese Unterscheidungen erhaben ist, und daß ihr
darum keine von ihnen zukommt, der bemerkt, daß der Ausdruck
der menschlichen Eigengestalt eine unterschiedliche Weise
der über Unterscheidungen erhabenen Gattung darstellt. Dasselbe
gilt für die Eigengestalt des Esels. Daher bilden diese
gegensätzlichen Ausdrücke der sich gegensätzlich unterscheidenden
Weisen kein Hindernis für denjenigen, welcher die darüber
erhabene Gattung betrachtet.
Band 2PURL anzeigen